Erweiterung, Umbau und Instandsetzung Burghardt-Gymnasium Buchen

2017, Stadt Buchen im Odenwald

Ausgangssituation

Die bestehende Schule wurde in verschiedenen Bauabschnitten in den 60er und 70er Jahren realisiert. Ein Lesepavillon als Bibliothek und ein neuer Eingang wurden später angefügt.

Städtebauliche Situation

Der vorhandene viergliedrige Baukörper mit einer querliegenden Erschließungsachse, bildet nach Norden zur Morre drei Hofbereiche, die teilweise begrünt, teilweise als Spielflächen ausgebildet sind. Die Klassentrakte sind einseitig erschlossen, die Klassen öffnen sich zu den Höfen. Ein ungestörtes Lernen ist somit gewährleistet. Nach Norden zur St. Rochus Straße wird das Ensemble durch einen Querriegel abgeschlossen, vorgelagert befindet sich ein Lesepavillon.
Die Innenhöfe werden als positiv bewertet und der Erhalt als wünschenswert erachtet, die Haupterschließung und der Eingang weißen auf Grund der Enge erhebliche Defizite und sind für die Schülerzahlen unterdimensioniert.

Entwurfskonzept

Funktionsverteilung

Der ehemalige Trakt II wird, mit Ausnahme des Bestandskellers, abgebrochen und im Eingangsgeschoss durch eine Magistrale ersetzt, die Gemeinschaftsnutzungen und fachspezifische Unterrichtsräume wie Musik, Aufenthalt, Universalraum, Bibliothek, Kunst, Eingang werden entlang dieser aufgefädelt. Im Obergeschoss wird die Realisierung des Großteils der Naturwissenschaften, der Kursräume und freien Lernbereiche vorgeschlagen.
Der Trakt I beherbergt unverändert die Bereiche der Verwaltung, für Lehrer und die Informationsbereiche. Das Obergeschoss ist der Biologie vorbehalten.
Die allgemeinen Klassenräume sind ausschließlich in den Trakten III, IV und V untergebracht, in die Gebäudestruktur wird nicht eingegriffen, die Klassen werden teilweise verkleinert.

Erschließungskonzept

Äußere Erschließung

Der Entwurf sieht die zentrale Erschließung über die St. Rochus Straße vor, eine Erschließung über die Innenhöfe wird als nachgeordnet betrachtet. Auch die Schüler aus der Innenstadt gelangen über die St. Rochus Straße zum Haupteingang. Abstellgelegenheiten für Fahrräder befinden sich rechts neben dem Haupteingang und im Bereich der PKW Stellplätze.

Innere Erschließung, Straße, Boulevard, Magistrale

An den überdachten Eingangsbereich schließt mit der zentralen Magistrale eine barrierefreie Erschließungslandschaft mit Abzweigungen in die Klassentrakte und den Verwaltungs- und Lehrertrakt an. Im OG erfolgt eine kompakte Erschließung der Naturwissenschaften durch eine zweihüftige Anordnung.
Die Gebäude I und V werden über die bestehenden Treppenhäuser erschlossen.
Die Gebäude II, III, IV werden über zwei neue Treppenhäuser in der Magistrale erschlossen.

Barrierefreiheit

Die Barrierefreiheit in den Bestandsgebäuden ist durch die Gebäudesprünge derzeit nicht gegeben. Im Gebäude werden drei Aufzüge in der Magistrale vorgeschlagen, zwei erschließen die Geschosse des Traktes I, II und V, ein weiterer zentraler die Trakte III und IV.Die vorhandenen Höhenversprünge der Trakte zueinander werden genutzt, um eine gestaffelte Landschaft mit Sitzstufen, Plattformen und Treppen zu gestalten. Die Stufen dienen als Tribüne für musikalische oder sonstige Veranstaltungen.

Außenanlagen

In die bestehende Hofgestaltung mit Bepflanzung und schönen Spielflächen wird nicht eingegriffen. Der Blick aus den Klassen in die Höfe bleibt unbeeinträchtigt, der wertvolle Außenbereich bleibt erhalten.
Auf der Erschließungsseite zur St. Rochus Straße wird eine urbane Landschaft mit informellen Sitzgelegenheiten mit Aufenthaltsqualität geschaffen. Der überdachte Eingangsbereich dient ebenfalls dem Aufenthalt.

Blickbezüge

Die Treppenhäuser der Magistrale sind dahingehend angeordnet, sowohl vom Entrée, als von den erhöhten Podestbereichen aus, ungehinderte Blicke in die begrünten Höfe zu ermöglichen.

Gebäude

Das Untergeschoss und die darüberliegende Decke mit seinen Höhenversprüngen werden in Massivbauweise erstellt. Oberhalb der Decke über dem Untergeschoss wird ein vorfabrizierter Holzbau vorgeschlagen. Der einfache und kompakte Baukörper mit geringen Spannweiten und Auflagermöglichkeiten auf den Flurzwischenwänden erlaubt eine wirtschaftliche Lösung. Die Decken können als sichtbare Holzverbunddecken mit Brettstapel bzw. Brettsperrholz mit Aufbeton realisiert werden. Tragende Außen und Innenwände werden als Holzständerwänden erstellt, Innenwände als Trockenbauwände.
Für die Raumakustik bietet die Holzbauweise große Vorteile. Auf Grund der sehr guten Schallabsorptionswerte mit Holz-Beton-Verbunddecken (alpha-w = ca. 0,80-0,85) können sichtbare Holzdecken ausgeführt werden. Weitere erforderliche raumakustische Maßnahmen erfolgen mit wenigen Zusatzmaßnahmen an den Wänden (ca. 10-12m²).
Auf Grund der Vorfertigung lassen sich Bauzeitverkürzungen von ca. 2-3 Monate gegenüber einer konventionellen Bauweise erwarten.

Holzbau

Holz besticht durch seine sinnliche Schönheit und die hohe Akzeptanz bei den Schülern.
Ein rationelles und wirtschaftliches Erstellen mit kurzen Baustellenzeiten wird durch vorgefertigte Bauteile erreicht, der zweigeschossige Neubau kann in kürzester Zeit realisiert werden.
Durch die Vorfertigung und die Erstellung in Trockenbau sind geringere Störungen durch Staub oder Schallemissionen gegenüber konventioneller Bauweise zu erwarten. Durch die Werkstattarbeit ergibt sich eine hohe Qualität und Genauigkeit der Ausführung. Sowohl während des Bauens, als auch im Unterhalt und schließlich im Rückbau benötigt Holz ein Minimum an Energie und ist ein ökologischer Baustoff der Zukunft und ein Beitrag zur Nachhaltigkeit durch Reduzierung der Treibhausgasemissionen.

Fassade

Die Fassade ist als zweischalige Holzständerwand mit Holzverkleidung innen und außen angedacht, mit großflächigen Elementfenstern in Holz/ Alu Ausführung. Um ein homogenes Aussenbild zu generieren werden davor vertikale Holzlamellen angebracht.

Bauherr

Stadt Buchen im Odenwald

Standort

St.-Rochus-Straße 5, Buchen

Leistung

Projektskizze im Rahmen eines VgV Verfahrens

Fertigstellung

2019