Verwaltungs- und Infrastrukturgebäude

2015, Tübingen

Beschreibung

Die Firma ERBE Elektromedizin GmbH erweitert ihren Stammsitz in Tübingen. Das Gebäude ist der letztmögliche Baustein auf dem Grundstück Waldhörnlestraße 17. Das Vorhaben, einen Anbau mit einer Betriebsgastronomie und einem Schulungszentrum für Mitarbeitende und Kunden zu realisieren, wurde im Planungsprozess sukzessive um zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen für Verwaltung und Produktion erweitert. Hiermit sind ein Eingangsfoyer, eine Betriebsausstellung mit Lounge, Umkleidebereiche für die Produktion, Labore, Büroräume und die Räume für die Geschäftsleitung gemeint. Die Technik im Dachgeschoß ermöglicht erstmalig eine mechanische Belüftung der Produktionshalle. Die funktionale Verwebung von Bestand zu Neubau machte die Sanierung der Bestandsfassaden sinnfällig.

Die Industrieanlage ist ein Bauwerkscluster, der über die letzten 35 Jahre entsprechend der inneren Produktionsanforderungen gewachsen ist. Die gewählte Fassadenstruktur gliedert den Gesamtkomplex in verschiedene miteinander verzahnte Einzelkubaturen. Die Baumassen mit ihren unterschiedlichen Nutzungen erfahren so eine begreifbare maßstäbliche Größenordnung.

Der mehrgeschossige Neubau beinhaltet vorrangig die repräsentativen Aufgaben der Zukunft. Er ist der bauliche Kopf des Unternehmens und soll als Abbild eines technischen Unikates die Wiedererkennbarkeit von Bauherr und seinem elektromedizinischen Produkt sein. Die Anmutung des Gebäudes spielt mit dem Bild eines fertigen Hightech-Produktes aus präzise gefügtem Aluminium und Glas. Wir haben das Motto des Unternehmens "Perfection for Life" mit dieser Materialität aufgegriffen. Das Gebäude ist eine architektonische Übertragung der selbst erklärenden bedienerfreundlichen Produkte.

Architektur kommuniziert mit der Umwelt. Die Fassade bringt die schützende Hülle mit einer äußeren Sprache zusammen. Sie ist erzählerisch. Die funktionale Vielfältigkeit innerhalb des Neubaus wird mit einem Schichtungsmotiv an der Fassade beantwortet. Glasbänder werden von horizontalen Aluminiumbänderungen kräftig gegliedert. In der Typographie erfolgt Lesbarkeit über Zeichengröße und Unterscheidungen im Schrifttyp. Die in dieser Fassade verwendete Rythmik aus sägezahnförmigen Glasschuppen, Glaslamellen und Profilierung sind die von uns dazu gewählten Schriftzeichen. Die nicht zur Belichtung erforderlichen Glasbänderungen sind als anthrazitfarbenen PV-Dünnschichtmodule ausgebildet. Die sägezahnförmige Ausrichtung der Elemente ermöglicht bei den Fenstern den optimalen Lichteinfall und bei den PV-Modulen den optimierten Energiegewinn. Das Unternehmen erzeugt über die PV-Anlagen 10% seines Strombedarfs. Die Gebäudehülle und die innovative Gebäudeversorgungstechnik ermöglicht eine Unterschreitung der ENEV um 40%. Das Gebäude hat eine CO²- Einsparung von 540 to/Jahr.

Der Gesamtkomplex wird gestalterisch als Gebäudecluster begriffen. Es handelt sich um eine Verschränkung von unterschiedlichen Kuben, die jeweils eine andere Fassadenidentität erhalten. Der Neubau wird funktional der Kopf der gesamten Anlage und erhält seine Gliederung durch eine Schichtung, in der die einzelnen Funktionen ablesbar sind. Diese Funktionen zeigen sich an der Fassadenoberfläche unterschiedlich profiliert und stellen mit dieser Gliederung einen Übergang zu den angrenzenden Bauteilen her.

Bauherr

Erbe GmbH + Co. Grundstücks KG

Standort

Waldhörnlestrasse 17 Tübingen

Leistung

Entwurf, Planung, Ausschreibung, Bauleitung

Fertigstellung

Januar 2015

Bruttorauminhalt

Umbau Bestand: 27.750 cbm
Neubau: 67.000 cbm

Bruttogeschoßfläche

Neubau: 7.570 qm

Fotografie

Dietmar Strauss, Bildermacher